Map of the route “2012 Caminho Português”: 215.925 m. It starts at 41.15669, -8.62397 and ends at 42.87821, -8.54484 (latitude, longitude).
Vorwort
Nachdem ich den „Camino de Levante“ gelaufen bin, möchte ich jetzt auf den Portugiesischen Weg wechseln. Der „Caminho Português“ ist eine Bezeichnung eines Jakobsweges, der in Porto (Portugal) beginnt und über Valença, Tui, Pontevedra nach Santiago führt.
3.- 4. Juni 2012
Salamanca – Porto

Von Zamora fahre ich mit dem Bus nach Salamanca, dort schlage ich mir den Tag und die halbe Nacht um die Ohren, da der Anschlussbus nach Porto erst nachts um 02:00 Uhr fährt. Übermüdet komme ich morgens um 06:00 Uhr in Porto an. Um diese Zeit ist in einer Stadt auch noch nicht viel los und ein Zimmer kann man sich auch noch nicht suchen.
Porto ist eine schöne Stadt, lebendig, voller Studenten. Sie liegt am Douro vor dessen Mündung in den Atlantik. Heute ist zwar ein „wanderfreier“ Tag, aber ich bin trotzdem, bei der Erkundung der Stadt, auf meine 20 km gekommen.
05. Juni 2012
Porto – Rates (33 km)

Die ersten Kilometer fahre ich mit der S-Bahn, um die Vororte von Porto schnell hinter mir zu lassen. Leider fahre ich nicht weit genug, denn die Straßen, durch die man laufen muss, sind zwar nett, aber eng, durch Mauern begrenzt und man muss sie mit ganz vielen Pkws und Lkws teilen. Teilweise empfinde ich es als lebensgefährlich. Anfangs laufe ich mit einer Gruppe Deutscher und einer Kanadierin. Sie sind wirklich nett, ich genieße es, mal wieder reden zu können, aber sie laufen mir einfach zu langsam. Nach einer Stunde ziehe ich davon. Nach 5 Wochen habe ich inzwischen wieder eine gute Kondition.
Der Weg wird besser, es geht durch viele kleine portugiesische Dörfer. Es ist warm, aber der Himmel ist bedeckt und das Laufen macht Spaß. Ein Schwätzchen mit einem spanischen Pilger, ein Schwätzchen mit einer jungen Frau aus den USA, die bei ihrem Umfang Santiago wohl nie zu Fuß erreichen wird. Gegen 13:00 Uhr erreiche ich das Dorf Rates mit seiner schönen Pilgerherberge. Ich wasche erst mal alle meine Sachen durch, will dann irgendwo essen gehen, aber hier gibt es außer einem kleinen Lebensmittelladen absolut nichts.
Ringelnatz
Was hat Ringelnatz mit dem Jakobsweg zu tun? Meines Wissens gar nichts, aber manchmal denke ich beim Laufen und heute habe ich an ein Gedicht von Ringelnatz gedacht und über Stunden versucht, es zu rekapitulieren.
Seemannstreue
Nafikare necesse est.
Meine längste Braut war Alwine.
Ihrer blauen Augen Gelatine
Ist schon längst zerlaufen und verwest.
Alwine sang so schön das Lied:„Ein Jäger aus Kurpfalz“.
Wie Passatwind stand ihr der Humor.
Sonntags morgens wurde sie bestattet
In der Heide, wo kein Bäumchen schattet,
Und auch ihre Unschuld einst verlor.Donnerstags grub ich sie wieder aus.
Da kamen mir schon ihre Ohrlappen
So sonderbar vor.
Freitags grub ich sie dann wieder ein.
Niemand sah das in der stillen Heide.
Montags wieder aus. Von ihrem Kleide,
Das man ihr ins Grab gegeben hatte,
Schnitt ich einer Handbreit gelber Seide,
Und die trägt mein Bruder als Krawatte.Gruslig war’s: Bei dunklem oder feuchten
Wetter fing Alwine an zu leuchten.
Trotzdem parallel zu ihr verweilen
Wollt ich ewiglich und immerdar.
Bis sie schließlich an den weichen Teilen
Schon ganz anders und ganz flüssig war.
Aus. Ein. Aus; so grub ich viele Wochen.
Doch es hat zuletzt zu schlecht gerochen.
Und die Nase wurde blauer Saft,
Wodrin lange Fadenwürmer krochen.Nichts für ungut: das war ekelhaft.
Und zuletzt sind mir die schlüpfrigen Knochen
Ausgeglitten und in lauter Stücke zerbrochen.Und so nahm ich Abschied von die Stücke.
Ging mit einem Schoner nach Iquique,
Ohne jemals wieder ihr Gebein
Auszugraben. Oder anzufassen.
Denn man soll die Toten schlafen lassen.
06. Juni 2012
Rates – Portela de Tamel (25 km)
In der Nacht war ich mal wieder von Schnarchern umgeben, außerdem stand mein Bett direkt am Fenster, an dem der Verkehr vorbeidonnerte. Manchmal dachte ich, die Lkws würden mir das linke Ohr platt fahren.
Am Morgen dann Nieselregen, zum ersten Mal nehme ich meine Wäsche nasser von der Leine, als ich sie am Nachmittag zuvor aufgehängt habe. Sich morgens eine nasse Hose überzuziehen ist schon ein komisches Gefühl. Zum Glück ist es relativ warm, sodass ich meine Regenjacke bald wieder ausziehe, denn ob ich vom Regen oder vom Schwitzen nass werde, ist auch egal.

Das Regenwetter hält an, schließlich sind wir in Nordportugal, da ist das normal und gehört dazu. Das Laufen macht trotzdem Spaß, ich hoffe nur, dass ich abends irgendeine Möglichkeit finde, mich und meine Sachen zu trocknen. Ich laufe durch die hübsche Stadt Barcelos. Mein Reiseführer empfiehlt, hier einen Tag Pause einzulegen, um sich die Stadt und das in der Nähe liegende Braga anzusehen.
Von einem früheren Urlaub in Portugal kenne ich beide Städte schon und beschließe durchzulaufen. Die Herberge in „Portela de Tamel“ ist neu, sauber und ausgesprochen schön. Seit Langem muss ich in der Herberge etwas bezahlen (5 Euro), bisher ging es meist auf Spendenbasis. Mit einem Spanier gehe ich zum Mittagessen, anschließend plaudere ich lange mit einer Holländerin, die von Holland nach Santiago gelaufen ist und sich gerade auf dem Rückweg befindet. Sie ist seit vier Monaten unterwegs. Eigentlich sind alle Mitpilger süchtige „Wiederholungstäter“.
07. Juni 2012
Portela de Tamel – Ponte de Lima (26 km)
Das Wetter ist ideal, dicke Wolken am Himmel, kaum Regen und eine Temperatur, bei der man gut laufen kann. Es geht über kleine Sträßchen und Waldwege, durch eine hügelige Landschaft, durch kleine Dörfer und Weiler Portugals.
Heute ist Feiertag (Fronleichnam), die Straßen sind geschmückt, in irgendeiner Kirche wird eine Messe gesungen und in die Landschaft übertragen. Am Straßenrand sitzt eine dicke irische Pilgerin und heult. Als ich sie frage, ob ich helfen könne, meint sie, das wäre einfach alles so schön hier, dass sie heulen müsse und möchte.

Ein Gespräch mit zwei jungen Radfahrern aus Leipzig, die auf der Runde Leipzig – Santiago – Barcelona – Leipzig sind, ein Geplauder mit einer Kanadierin, die seit 2 Monaten unterwegs ist, ein Gespräch mit einem alten portugiesischen Bauern, der seine Kuh zum Tierarzt führt.
Unterwegs mache ich irgendwo Rast und werde von einer Frau, die auch Zimmer an Pilger vermietet, eingeladen, bei ihr einen Kaffee zu trinken.
Der Weg ist wirklich so schön, dass ich fast traurig bin, als ich mein Ziel, Ponte de Lima, erreiche. Der Ort ist ein Touristenziel und da heute Feiertag ist, sind auch viele Einheimische unterwegs.
Die Herberge macht erst um 18:00 Uhr auf, ich mag sie nicht, hier ist alles so militärisch durchorganisiert, aber für 5 Euro Gebühr kann man nicht auch noch meckern.
08. Juni 2012
Ponte de Lima – Rubiães (22 km)

Der Wetterbericht hatte für heute viel Regen angesagt, aber es bleibt den ganzen Tag trocken und ab und zu schaut auch die Sonne hervor.
Die Etappe ist kurz, wunderschön und anstrengend. Auf steinigen Wegen geht es ziemlich steil bergauf. Kurz vor eins erreiche ich die schöne Herberge in Rubiães. Manfred und Inge stehen schon vor der Tür. Inge war gestern auf nassem Kopfsteinpflaster ausgerutscht und auf das Steißbein gefallen, sodass sie heute mit dem Taxi gefahren sind. Die beiden Koreanerinnen trudeln ein, eine hat handtellergroße Blasen auf den Schultern, ihr Rucksack war anfangs total falsch eingestellt. Dann ist da ein älterer Spanier und eine junge Deutsche, die sich seit 4 Jahren zu Jakobswegen verabreden. Ob da mehr ist, weiß ich nicht.
Mit Inge und Manfred gehe ich zusammen in ein kleines Restaurant. Wir essen so gut, viel und preiswert.
09. Juni 2012
Rubiães – Tui (22 km)
Die Etappe ist schön und kurz, aber ich möchte ein wenig Zeit für den portugiesischen Grenzort Valença und sein spanisches Gegenüber Tui haben.
1979 (?) sind wir (Gerda, Susanne und ich) zum ersten Mal mit dem Auto über die internationale Brücke gefahren, die hier Spanien von Portugal trennt. Damals gab es noch scharfe Grenzkontrollen und wir hatten ein wenig Angst, weil wir irgendwelche Güter für unsere portugiesischen Freunde eingeschmuggelt hatten. Später waren wir noch einmal hier, zusammen mit Käthe und Günter, und haben in Tui im Parador San Telmo geschlafen.

Tui hat 2 Herbergen, eine städtische und eine private. Da ich bei der städtischen noch warten müsste, bis sie aufmacht, gehe ich in die private. Dort kostet die Nacht 10 Euro.
Im Reiseführer wird ein Restaurant in der Nähe der Kathedrale empfohlen, ich gehe hin und das Essen ist gut, aber wieder so viel, dass es für 2 Personen gereicht hätte.
Nachdem ich in der Herberge eingecheckt hatte, fing es an zu regnen und ich war froh, dass ich nicht weitergelaufen bin, was ich zwischenzeitlich in Erwägung gezogen hatte.
10. Juni 2012
Tui – Redondela (31 km)

Es regnet, schließlich sind wir in Galizien. Da der Regen nicht allzu stark ist, kann ich die Wanderung trotzdem genießen. Ich liebe diese Ecke Spaniens, alles ist so grün, überall plätschert es, sind Wasserfälle, Bäche … und Matschwege und Pfützen.
Die Freude wird getrübt durch den Marsch durch ein schier endloses Industrie- und Gewerbegebiet. Im Reiseführer steht, man könne sich für Redondela Zeit lassen, es gäbe genug Schlafplätze. Als ich die Herberge erreiche, erwische ich noch das letzte Bett, Hotels und Pensionen gibt es hier auch nicht. Die, die nach mir kommen, haben richtig Probleme.
Abends bin ich zusammen mit Inge und Manfred sowie dem Holländer Piet.
Nachts liege ich neben einem Engländer, der mich mit seiner Schnarcherei nicht schlafen lässt. Morgen versuche ich ein Zimmer für mich allein zu bekommen …
11. Juni 2012
Redondela – Pontevedra (17 km)

Der Weg ist schön, aber es regnet, mal mehr, mal weniger, mal wolkenbruchartig. Nach zwei Stunden habe ich keinen trockenen Fetzen mehr am Körper. Ich laufe ein Stück mit einem japanischen Ehepaar. Sie sind erst in Tui gestartet und für solch ein Wetter nicht ausgerüstet.
Zwischendurch lässt sich die Sonne auch mal sehen. In einer solchen Phase beschließe ich noch weiter zu laufen. Ich habe Pontevedra schon zwei Kilometer hinter mir gelassen, als ich endlich mal in meinen Reiseführer schaue, welches ein mögliches nächstes Ziel wäre. Aber da kommt in absehbarer Zeit nichts Gescheites, also laufe ich zurück und suche mir ein Zimmer in einer Pension.
12. Juni 2012
Pontevedra – Caldas de Reis
Heute merke ich, dass ich mich in meiner Zeitplanung um einen Tag verrechnet habe, denn meinen Zeitpuffer wollte ich nutzen, um noch nach Finisterre zu laufen, doch dazu fehlt mir jetzt ein Tag.

Der heutige Tag beginnt mit „Regen“, der aber im Laufe des Vormittags immer weniger wird und später lässt sich auch ab und zu die Sonne sehen. Der Weg ist schön, wenn auch ab und zu etwas verschlammt. Wie meistens laufe ich ohne Frühstück los. Wie gut schmeckt dann der Kaffee in der ersten offenen Bar, in der garantiert schon andere Pilger hocken, mit denen man sich austauschen kann. Caldas de Reis erreiche ich schon gegen 12:30 Uhr. Die Herberge hat noch nicht geöffnet, ich nehme ein Hotelzimmer.
Der Ort verfügt über Thermalquellen, die schon von den Kelten und Römern genutzt wurden. Jetzt stecken die Pilger die geschundenen Füße ins heiße Wasser.
Nachmittags erfahre ich, dass die Herberge und die wenigen Hotels und Pensionen der Stadt alle ausgebucht sind. Obwohl noch keine Hochsaison ist, liegt die Auslastung schon an der Grenze. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass jetzt viele Pilger dazugekommen sind, die nur die letzten 100 Kilometer laufen.
13. Juni 2012
Caldas de Reis – Padrón (19 km)

Ein perfekter Tag. Morgens ist es noch eisig kalt, sodass ich wieder mal ein Paar Socken als Handschuhe missbrauche. Danach kommt zögernd die Sonne heraus, Frühnebel, überall rauscht und plätschert es, die Stimmung ist überwältigend. Auch heute erreiche ich mein Ziel schon ziemlich früh. Wenn ich jetzt der Landstraße und nicht dem Jakobsweg folgen würde, wäre ich in 5 Stunden in Santiago. Ich habe noch gar keine Lust „anzukommen“. Mir entgegen kommt eine junge Frau (20) aus Koblenz, die im Frühjahr von daheim aufgebrochen ist und sich jetzt auf dem Rückweg befindet, der über die spanische Mittelmeerküste und die Schweiz führen soll. Ein klein wenig beneide ich sie schon.

Padrón ist ein hübscher Ort, von hier aus kann man, wenn man bereit ist, 114 Stufen ohne Pause zu einer Jakobsstatue hinaufzusteigen, in den „vollen Genuss der Gnade“ kommen. Der Legende nach hat der Apostel Jakobus hier seine erste Predigt auf spanischem Boden gehalten.
Nach dem „Menü del Dia“ und der Flasche „Vino Tinto“ fühle ich mich auch ohne 114 Stufen begnadet und halte erst mal mein Mittagsschläfchen. Habe ich da etwas falsch verstanden?
Danach trudeln alle meine „Mitpilger“ ein, Inge und Manfred, der Holländer Piet, die koreanischen Mädel, das japanische Paar und, und, und …
Wie auf meinen vorherigen Touren erlebe ich auch jetzt das gleiche Phänomen, keiner freut sich, dass das Ziel bald erreicht ist, sondern alle sind ein wenig traurig, dass es bald vorbei ist.
Einige werden morgen bis Santiago durchpilgern, andere werden es noch hinauszögern und noch eine Zwischenübernachtung einlegen. Zu welcher Sorte Mensch ich gehöre, weiß ich heute Abend noch nicht. Das heißt, einige werden sich morgen mit Tränen in den Augen vor der Kathedrale in den Armen liegen und andere wird man nie mehr wieder sehen. Das ist der Camino.
14. Juni 2012
Padrón – Santiago de Compostela (25 km)
Mein Ziel, Santiago de Compostela, habe ich erreicht. Galizien zeigt sich auch heute von seiner typischen Seite, d.h., es regnet den ganzen Tag. Trotz Regenkleidung habe ich keinen trockenen Faden mehr am Körper, als ich vor der Kathedrale stehe. Trotzdem hat das Laufen Spaß gemacht, noch 20 km, 10 km, 5, 3, 2, 1 … Ziel erreicht. Zeitweise laufe ich mit Will, einem Holländer, sowie dem japanischen Paar. Sie wollen unbedingt wissen „warum“ ich die Wege laufe. Wenn ich mir selbst eine eindeutige Antwort geben könnte, wäre ich froh.

In Santiago ist es nicht nur nass, sondern auch kühl und windig. Ich nehme mir erst mal schnell ein Zimmer, um mich unter der heißen Dusche aufzuwärmen.
Mein Ziel habe ich zwar erreicht, aber „angekommen“ bin ich noch nicht. Ankommen werde ich erst dann, wenn ich am Leuchtturm von Fisterra stehe. Da ich es zeitlich nicht mehr schaffe hin zu laufen, werde ich morgen mit dem Bus hinfahren. Am Abend findet vor der Kathedrale noch ein Konzert statt. Das ist noch ein wunderschönes Erlebnis. Auch Petrus spielt mit und legt genau für die Dauer des Konzertes eine Regenpause ein.
Zuvor habe ich Inge und Manfred wieder getroffen. Sie sind die letzte Etappe mit dem Bus gefahren, denn Inge humpelt nur noch mühsam vor sich hin. Sie brechen ihren Urlaub ab und werden morgen heimfliegen. Ein letzter gemeinsamer Wein, adios…
15. Juni 2012
Santiago de Compostela – Finisterre

Die Regenmengen, die der Himmel ausschüttet, sind gewaltig. Ich weiß nicht, ob ich traurig bin, heute nicht zu laufen, oder ob ich mich freuen soll, mit dem Bus fahren zu können.
In Finisterre angekommen miete ich mich in einem Hotel ein, in dem ich vor 6 Jahren schon einmal war. Ich mochte es schon damals nicht, aber es regnet so stark, dass ich die am nächsten gelegene Unterkunft wähle.
Nach dem Mittagessen und -schläfchen reitet mich dann doch der Teufel. Ich „muss“ heute noch ans Kap, zum „Ende der Welt“ laufen. Das sind zwar noch mal 3 km in Sturm, Nebel und strömendem Regen, aber das muss sein.
Und dann habe ich wirklich das Gefühl angekommen zu sein, nicht in der Kathedrale von Santiago, sondern hier, genau hier. Kap Finisterre war schon in vorchristlicher Zeit ein Pilgerziel. Damals wurde es von einigen Kulturen als Grenze zum Reich der Toten angesehen.
Und da ich sowieso pudelnass bin, fällt es auch nicht auf, dass ein paar Tränen rollen, ich bin angekommen …
(… nach 1162,74 km)
16. Juni 2012
Finisterre

Heute gibt es zur Abwechslung mal wieder Bilderbuchwetter. Diesmal ohne Rucksack laufe ich zum Leuchtturm. Es sind viele junge Leute hier, die hier träumend Abschied von ihrem Weg nehmen, und ein wenig süßlicher Hasch-Geruch hängt auch in der Luft. Diese Halbinsel ist so schön, dass man hier länger Urlaub machen könnte. Der traumhafte Weststrand ist fast menschenleer. Ein Surfer traut sich ins eiskalte Wasser. Am Nordost-Strand, an dem ich mit Gerda vor ein paar Jahren mal eine schöne Unterkunft hatte, kann man heute hunderte Jakobsmuscheln sammeln.
Ich treffe einen deutschen Sozialarbeiter, der mit einem 13-jährigen Jungen unterwegs ist. Als Therapiemaßnahme ist er mit ihm vom Bodensee nach Santiago gelaufen, doch er meint, dass es bisher noch nicht viel gebracht hätte.
Abends sitze ich noch mit einem irischen Mitpilger zusammen, der noch die Fußball-Niederlage seines Landes (gegen Spanien?) verdauen muss. Erstmalig seit Wochen bin ich erst nach Mitternacht im Bett.
17. Juni 2012
Finisterre – Santiago de Compostela
Die Rückfahrt mit dem Bus verläuft wieder an der Küste entlang und ist trotz Nieselregens wunderschön. In Santiago laufe ich noch einmal im strömenden Regen ins Zentrum. Kurz vor meinem vorgebuchten Hotel treffe ich eine Mitpilgerin, wir hatten zwar ab und zu schon mal kurz miteinander geredet, aber haben uns jetzt erst mal bekannt gemacht.

Wir beschließen zusammen essen zu gehen. Irina ist Polizistin in Berlin und ist auch schon verschiedene Wege in Spanien gelaufen, hat aber auch Deutschland von Nord nach Süd und West nach Ost durchquert. Irina erzählt von Indien, das sie mehrmals mit dem Rucksack bereist hat.
Es ist eine nette Unterhaltung, bis wir merken, dass wir allein im Restaurant sitzen und unser Mittagessen sich bis 18:00 Uhr hingezogen hat. Dann, wieder ein Abschied …
Ich belege mein Zimmer, gehe noch ein wenig durch die Stadt und natürlich auch noch mal in die Kathedrale.
Abends läuft im Fernsehen ein Fußballspiel, Deutschland gegen Dänemark, leider schlafe ich dabei ein, und als ich wach werde, ist das Spiel vorbei.

18. Juni 2012
Heimflug
Morgens mache ich noch einen letzten Bummel durch die Stadt und besuche natürlich auch noch einmal die Kathedrale. An einer Pilgermesse konnte ich diesmal nicht teilnehmen, sie findet immer mittags um 12:00 Uhr statt, das habe ich zeitlich nicht geschafft.
Der Flieger startet verspätet von Santiago, sodass ich den Anschlussflug in Madrid nur mit Mühe erreiche. Mein Rucksack wurde mir allerdings erst drei Tage später zugestellt.